Case Study · Healthcare · 2025–2026

KI nimmt das Telefon ab — und die Klinik atmet auf.

Eine Hörgeräte-Klinik in Bayern verlor täglich Stunden mit Routine-Anrufen: Terminvereinbarungen, Verlegungen, Standardfragen zu Hörgeräte-Service. Wir haben einen KI-Sekretariats-Agenten gebaut, der in Llama 3.1 läuft, mit der bestehenden FileMaker-Datenbank spricht und die meisten Anrufe komplett autonom bearbeitet — DSGVO-konform, on-premise, ohne dass Patientendaten das Klinik-Netzwerk verlassen.

−60%
Anruf-Backlog
24/7
Erreichbarkeit
6 Wo
Bis Live
0
Daten in der Cloud

Messmethode: Anruf-Backlog über das Telefonsystem der Praxis gemessen, Baseline 4 Wochen vor gegen 8 Wochen nach Einführung. Auf Kundenwunsch anonymisiert (Patientenschutz) — Referenz auf Anfrage unter NDA.

Die Ausgangslage: ein klingelndes Telefon, das niemand abnehmen kann.

Eine bayerische Hörgeräte-Klinik mit zwei Standorten und etwa 4.500 aktiven Patienten betreibt seit über 10 Jahren eine FileMaker-basierte Patientenverwaltung von CODLAB. Funktional läuft alles — aber das Telefon ist der Engpass.

Etwa 120 Anrufe pro Tag, davon 70% Routine: Termin verschieben, Hörgeräte-Reparatur-Status erfragen, Öffnungszeiten, Adresse, Parkmöglichkeiten. Eine einzige Mitarbeiterin am Empfang — wenn sie krank wird, klingelt es ins Leere. Patienten beschweren sich. Termine werden über Anrufbeantworter chaotisch eingeholt.

Was nicht infrage kam: ein Call-Center mit fremden Mitarbeitern (Datenschutz, fachliche Beratung). Auch keine Cloud-Lösung mit OpenAI-Voice, die Patientendaten in die USA transportiert. Die Lösung musste DSGVO-konform, on-premise und in die bestehende FileMaker-DB integriert sein.

„Wir brauchten kein KI-Spielzeug. Wir brauchten jemanden, der versteht, wie eine Hörgeräte-Klinik tickt — und dann KI dafür baut, nicht andersrum." Klinikleiterin, anonymisiert auf Wunsch

Vorher: Anruf-Statistik

# Eine durchschnittliche Woche
Mo  125 Anrufe  →  "angenommen: 82"
Di  118 Anrufe  →  "angenommen: 76"
Mi  131 Anrufe  →  "angenommen: 89"
Do  144 Anrufe  →  "angenommen: 71"
Fr  109 Anrufe  →  "angenommen: 84"

# Im Schnitt 35% verloren.
# Davon ~70% Routine-Anfragen.
# = täglich ~30 Anrufe, die ein
# Mensch gar nicht hätte machen müssen.

Architektur · vereinfacht

# Komponenten on-premise
┌─────────────────────────┐
│  SIP-Gateway (Asterisk) 
└──────────┬──────────────┘┌─────────────────────────┐
│  Whisper-large-v3      
│  ASR · DE/IT/EN        
└──────────┬──────────────┘┌─────────────────────────┐
│  Llama 3.1 70B         
│  via vLLM auf L40S     
└──────────┬──────────────┘┌─────────────────────────┐
│  Django-Bridge         
│  → FileMaker via FDA   
└──────────┬──────────────┘┌─────────────────────────┐
│  Patientendaten        
│  Termin-Slots, History 
└─────────────────────────┘

# Alles auf einem Server
# im Klinik-Netzwerk.

Was wir gebaut haben: kein Wrapper. Ein Agent.

Der KI-Sekretariats-Agent ist kein OpenAI-Wrapper und kein Voicebot-as-a-Service. Er ist eine Django-App, die direkt auf dem Klinik-Server läuft, mit drei Hauptkomponenten:

  • Spracheingabe: Whisper-large-v3 wandelt das Anruf-Audio lokal in Text um. Unterstützt Deutsch (inkl. bayerischer Färbung), Italienisch und Englisch.
  • Sprachverständnis & Dialog: Llama 3.1 70B via vLLM auf einer L40S-GPU. Tool-Calling-Fähig: prüft Termin-Verfügbarkeit, identifiziert Patienten per Name+Geburtsdatum, schlägt Slots vor.
  • FileMaker-Bridge: Django-Service, der via FileMaker Data API (FDA) live mit der bestehenden Patientenverwaltung spricht — die gleiche DB, die die Mitarbeiter*innen am Empfang nutzen.
  • Sprachausgabe: XTTS-v2 für eine natürliche, ruhige weibliche Stimme — bewusst gewählt, weil Patient*innen einer Hörgeräte-Klinik eine klare, langsame Aussprache schätzen.
  • Eskalation: Bei Notfall-Schlüsselwörtern, medizinischer Beratung oder Unklarheit übergibt der Agent sofort an die Empfangs-Mitarbeiterin — kein blindes Auto-Booking.
Django 5 Llama 3.1 70B vLLM Whisper-large-v3 XTTS-v2 FileMaker FDA Asterisk SIP NVIDIA L40S Ubuntu 24.04

Drei Herausforderungen, die uns wirklich graue Haare gebracht haben.

1. Patient-Identifikation mit Hörbeeinträchtigung. Ältere Patient*innen einer Hörgeräte-Klinik haben oft Probleme mit Sprachverständnis — das gilt auch für Selbst-Auskünfte. Wir mussten den Agent so trainieren, dass er behutsam mehrfach nachfragt, ohne Patienten zu frustrieren. Lösung: ein „Confidence-Threshold" — bei unter 85% Sicherheit wird das Gespräch sofort an einen Menschen weitergegeben.

2. FileMaker via Data API ist langsam. Die FDA hat Latenzen von 200–800ms pro Aufruf. Für ein Telefongespräch ist das eine Ewigkeit. Wir haben einen aggressiven Read-Through-Cache in Redis aufgebaut, der Termin-Slots der nächsten 14 Tage vor-lädt und nur bei Buchung tatsächlich schreibt.

3. „Halluzinationen" sind in der Medizin nicht akzeptabel. Llama 3.1 ist gut, aber kein Arzt. Bei jeder Frage, die in Richtung Diagnose, Medikamente oder Hörverlust-Beratung ging, mussten wir den Agent dazu zwingen, ehrlich zu sagen „das muss ich an einen Audiologen weitergeben" — nicht selbst zu antworten. Realisiert über strikte System-Prompts + Tool-Constraints.

Ergebnisse nach 4 Monaten Produktivbetrieb

−60%
Anruf-Backlog
Von durchschnittlich 35% verlorenen Anrufen pro Tag auf 14%. Die meisten verbleibenden Verluste sind außerhalb der Öffnungszeiten — und der Agent nimmt diese trotzdem an.
+11h
Pro Woche freigesetzt
Die Empfangs-Mitarbeiterin kann sich wieder um die wirklich beratungsintensiven Fälle und Verkaufsgespräche kümmern. Statt 6 Stunden pro Tag am Telefon nur noch knapp 4.
0
DSGVO-Vorfälle
Keine Patientendaten verlassen das Klinik-Netz. Keine OpenAI-API, kein Google. Externe Audit-Stelle hat das System im März 2026 unbeanstandet gelassen.
„Anfangs dachte ich, das wird ein Spielzeug. Nach drei Monaten merkte ich: ich spare mir täglich zwei Stunden Stress am Telefon. Und die Patient*innen merken nicht einmal, dass es kein Mensch ist — bis ich es ihnen sage." Empfangs-Mitarbeiterin, Hörgeräte-Klinik

Grenzen & ehrliche Einordnung

  • Einzelne Klinik (n=1) — kein repräsentativer Studienwert, sondern ein realer Produktiv-Fall. Andere Praxen, anderes Anrufprofil.
  • Die −60% gelten für Routine-Anrufe (Termine, Standardfragen). Medizinische Beratung, Notfälle und Unklarheiten eskaliert der Agent bewusst an Menschen.
  • Kein Medizinprodukt: keine Diagnose, keine Beratung — reine Terminorganisation und Triage.
  • Zahlen aus dem Telefonsystem der Praxis gemessen, anonymisiert (Patientenschutz); Referenz auf Anfrage unter NDA.
  • Edge-Cases (starker Dialekt, laute Umgebung) bleiben — sie werden über den Eskalationspfad aufgefangen, nicht „wegtrainiert“.

Was wir bei diesem Projekt gelernt haben

  • On-Premise ist nicht teurer als Cloud — wenn man richtig dimensioniert. Eine L40S für ~9.000 € einmalig vs. ein OpenAI-Voice-API-Abo bei diesem Anrufvolumen: nach 14 Monaten ist die Hardware abbezahlt.
  • Für eng umrissene Dialog-Agenten kann ein lokales Llama 3.1 70B mit GPT-4 mithalten. Mit klinikspezifischem System-Prompt und Few-Shot-Beispielen wurde der Agent in unserem Eval-Set präzise genug — in diesem engen Anwendungsfall, nicht als generelle Modell-Aussage.
  • Sprachsynthese muss zur Zielgruppe passen. XTTS-v2 mit einer ruhigen, etwas tieferen weiblichen Stimme funktioniert in einer Hörgeräte-Klinik besser als die schnellere, energetische Default-Stimme der Cloud-Anbieter.
  • Eskalations-Pfade sind wichtiger als Conversational Brilliance. 70% der Anrufe sind Routine — der Agent muss darin gut sein. Bei den restlichen 30% darf er ruhig schnell sagen „ich gebe an einen Menschen weiter". Versuchen, ALLES zu lösen, ist falsch.
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